Schule als lernende Organisation

Der Schulentwicklungsprozess "Eine Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungsort" erstreckt sich bis dato über einen Zeitraum von fünf Jahren. Er war von der Schulleitung initiiert und anfangs stark deduktiv. Wenige Kolleginnen und Kollegen waren in die Ausarbeitung des Konzepts eingebunden.

Seit dem Schuljahr 2016/17, dem zweiten Jahr der Umsetzung, ist der Prozess in der Mitte des Kollegiums angekommen und die Maßnahmen haben eine hohe Komplexität, aber auch Klarheit angenommen. Es war also an der Zeit, den Prozess in eine erweiterte Verantwortung zu geben und die Implementierung effektiver zu gestalten. Die im Oktober 2016 eingerichtete Steuergruppe "Schulentwicklung" war der erste Schritt dahin. Sie bestand aus zehn Personen, darunter waren auch die Leiter der Lernbüroteams. Die Schulleitung war ebenfalls Teil der Gruppe, was eher untypisch ist, aber von den Mitgliedern als notwendig und sinnvoll erachtet wurde.

im aktuellen Schuljahr 2018/19 erfolgte der zweite Schritt mit der Einrichtung eines pädagogisch-didaktischen Gremiums (PDG). Damit wurden die Jugendsozialarbeit an Schulen als integrativer Bestandteil der Schule und die Belange der Fachlehrer in den berufsorientierenden Zweigen in die mitverantwortliche Ausgestaltung des Schulprogramms aufgenommen. Die Steuergruppe löste sich auf. Das PDG bespricht die großen Linien der Schulentwicklung und definiert das Arbeitsprogramm für das Schuljahr. Am Ende des Schuljahres erfolgt die interne Evaluation der Maßnahmen.


Das Prädikat FAU | SCHULE innovativ wird an Schulen vergeben, die in Projekten mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg in innovativer Weise die Schulentwicklung und die Unterrichtsarbeit profilieren und Impulse für die universitäre Lehrerinnen- und Lehrerbildung und Forschung geben.

Mit unserem Bildungskonzept "Eine Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungsort" ist es uns gelungen, dieses Prädikat zu erhalten. Als FAU I Schule innovativ sind wir Teil des FAU I SchulNETZ und profitieren u.a. von der wissenschaftlichen Begleitung durch das Zentrum für Lehrerinnnen- und Lehrerbildung.


Die Aufgaben von Schule sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Organisation von Ganztagsklassen, die Kooperation mit Jugendsozialarbeit an Schulen oder aktuell die dienstlichen Beurteilungen sind nur wenige Beispiele. Dabei gibt es eine problematische Zuspitzung auf den Schulleiter und seinen Stellvertreter als die rechtlichen, organisatorischen und pädagogischen Verantwortlichen. Wir verstehen die Schule als "Gemeinschaft von Verantwortlichen". Obwohl es in der Schulart Mittelschule keine offiziellen, verantwortlichen Strukturen außerhalb der Schulleitung gibt, ganz im Gegensatz zu anderen weiterführenden Schularten, haben wir uns für die Einführung von Lernhaussprechern, Lernbüroleitern und vor allem einer erweiterten Schulleitung entschlossen.

 Mittelfristig muss es zum Aufbau einer mittleren Führungsebene kommen. Mitarbeiter in der Schulleitung sollten dann angemessen entlohnt werden, durch Anrechnungsstunden oder Zulagen, und sie sollten in ihrem definierten Bereich weisungsbefugt sein.


Die sechs miteinander verbundenen Gebäudeteile unserer Schule erinnern stark an Trakte von Krankenhäusern oder Kasernen. So baute man in den 60er-Jahren eben auch Schulen, wenig förderlich für die Idee einer modernen Ganztagsschule. Wir versuchen das Beste daraus zu machen und setzen der Macht des architektonisch Faktischen die Idee der Lernhäuser entgegen.

Im Schuljahr 2020/21 werden 400 Schülerinnen und Schüler in sechs Lernhäusern lernen. In den Lernhäusern A, B und C die Fünft-, Sechst- und Siebtklässler, in D, E und F die Acht-, Neunt- und Zehntklässler. In jedem Lernhaus werden drei Klassen sein.

Jedes Lernhaus verfügt über drei Klassenzimmer und einen vierten Raum zur Differenzierung und als Teamraum. In den Häusern C bis F sind die Lernbüros in diese Räume integriert. Die veraltete Einrichtung wird in den nächsten zwei Jahren gegen flexibles Mobiliar ausgetauscht werden. In A, B und F ist das bereits geschehen. Die IT-Technik wird standardisiert. Geplant sind Einheiten aus PC, Doku-Kamera und Beamer, einem interaktiven Beamer mit Whiteboard pro Lernhaus und W-LAN.

Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer in den Lernhäusern werden mehr Verantwortung für gemeinsames Lernen, Erziehung und Organisation tragen. Es gibt z.B. einen Lernhaussprecher, ein kleines Budget für Bauunterhalt. Jedes Lernhaus ist für die Durchführung einer Themenwoche mit Vollversammlung verantwortlich.

Mit dem Schuljahr 2018/19 intensivieren wir die Arbeit an der Lernhaus-Idee. Grundlage hierfür ist das Praxisbuch Lernhaus des Münchner Referats für Bildung und Sport. Ein Besuch der Willy-Brandt-Gesamtschule in München und ein Coaching durch einen Experten des eferats sind vereinbart.


Führt das Lernen im Raum der Mathematik zu einer Leistungssteigerung oder sind die Säulen der Sozialerziehung an unserer Schule wirksam? Schulqualität ist schwer zu bestimmen und noch schwerer zu messen. Um dennoch sicherzustellen, dass wir auf einem guten Weg sind, ist es im Rahmen unseres Schulentwicklungsprozesses unverzichtbar, uns selbst als Schule laufend zu hinterfragen. Dazu arbeiten wir eng mit der Schulpsychologin i.R., Frau Christine Enders zusammen.

Gemeinsam entwickeln wir beispielsweise Fragebögen, die nach den Gütekriterien empirischer Forschung konzipiert sind. So konnten wir aussagekräftig evaluieren, wie die Veränderungen im gebundenen Ganztag greifen oder ob der Trainingsraum als sozialerzieherisches Element wirksam ist. Auch die Schulleitung erhält durch anonymisierte Einschätzungen aus der Schulfamilie Rückmeldung, wie ihre Tätigkeit gesehen wird, um notwendige Veränderung gezielt vornehmen zu können.


Der Schulbeirat der Eichendorffschule ist ein Gremium mit beratender Funktion für die Schulleitung. Er dient der Nutzung externen Sachverstandes bei der Entwicklung der Schule hin zu einer "Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungsort". Die vier Beiräte sind Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen mit ausgewiesenen Kompetenzen und hohem Ansehen. Ihnen ist gemein, dass sie zwar eine ausgeprägte Beziehung zur Eichendorffschule und ihrer Schulleitung haben. Jedoch verfügen sie auch über die notwendige Distanz und Professionalität, um wohlwollend und kritisch zugleich zu beraten.

Frau Bertie Nonhoff leitete über viele Jahre das Staatliche Schulamt der Stadt Erlangen und ist nach wie vor sehr anerkannt und geschätzt in der Schulaufsicht. Herr Volkmar Weinhold gilt als leidenschaftlicher Pädagoge und Schulentwickler mit fundiertem Wissen, festen Überzeugungen und hoher Reputation. Dr. Leopold Klepacki stärkt das wissenschaftliche Profil des Beirats. Er lehrt am Lehrstuhl für Pädagogik II der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Unser umfassendes Bildungskonzept trägt maßgeblich seine Handschrift. Herr Heinz Brenner ist Leiter des Regionalreferats Erlangen/Nürnberg der Siemens AG und ein profilierter Öffentlichkeitsarbeiter und Netzwerker. Ihm verdanken die Mittelschulen in Erlangen das wertvolle Technik-Projekt "HochSpannung".