Umgang mit Vielfalt

Deutschklassen werden vom Staatlichen Schulamt eingerichtet. Zurzeit werden 16 Schülerinnen und Schüler aus über 10 Nationen unterrichtet.

Wenn Schülerinnen und Schüler zugewiesen werden, kommen sie und ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten zunächst zu einem 50-minütigen Eingangs- und Aufnahmegespräch in die Schule. Dabei erfasst eine Lehrkraft neben den persönlichen Daten die schulische Vorgeschichte des zugewiesenen Jugendlichen und informiert die Eltern oder Erziehungsberechtigten über unsere Schule und unser Schulsystem.

Nach dem Eingangsgespräch werden die Schüler in die Deutschklasse aufgenommen.

Wenn sie in den Fächern Deutsch als Zweitsprache und Mathematik dem Unterricht gut folgen können, sich mündlich und schriftlich sicher ausdrücken können, kommen sie in der Regel nach einem Jahr in eine Regelklasse der Mittelschule oder in Ausnahmefällen bei sehr guter Leistung wechseln sie die Schulart.


Das Projekt "Optimierte Lernförderung" wurde vom Amt für Soziales, Arbeit und Wohnen der Stadt Erlangen initiiert. In Zusammenarbeit mit den drei Erlanger Mittelschulen sowie der Volkshochschule Erlangen (VHS) wurde ein Modell etabliert, das förderberechtigten Kindern einen möglichst unkomplizierten und schnellen Zugang zu zusätzlicher Lernförderung im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets ermöglicht. Das sogenannte Erlanger Modell erfährt bundesweite Beachtung.

An der Eichendorffschule findet die Optimierte Lernförderung vornehmlich in integrativer Form statt. Wir unterscheiden nicht zwischen förderberechtigten und nicht förderberechtigten Kindern, sondern unterstützen alle, die Hilfe brauchen. Unter der Leitung und Anleitung der staatlichen Lehrkraft begleitet und unterstützt eine Dozentin oder ein Dozent der VHS, sogenannte Pädagogen in der Bildungsarbeit (PiBs), das Lernen der Kinder und Jugendlichen. Eine Evaluation des Modellprojekts durch Prof. Dr. Dr. Ziegler von der FAU Erlangen-Nürnberg vom September 2016 belegt den Wert des Projekts: Es trägt wesentlich zur Bildungsgerechtigkeit bei, indem es Leistungs- und Entwicklungsdefizite bei Schülerinnen und Schülern, besonders mit einem schwachen sozioökonomischen Hintergrund abbaut.

Im Schuljahr 2018/19 arbeiten neun PiBs auf Honorarbasis an unserer Schule. Es handelt sich vornehmlich um Studentinnen und Studenten verschiedener Lehrämter. Sie sind den 6 Lernhäusern zugeordnet und unterstützen die Lehrkräfte bei der Förderung von Schülerinnen und Schülern. Ein PiB arbeitet ausschließlich im Raum der Mathematik. Durch die feste Zuordnung zu Lernhäusern oder den Raum der Mathematik entsteht eine lernförderliche Beziehung zwischen den Kindern und Jugendlichen sowie den PiBs. Die Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit den PiBs gelingt effektiver und nachhaltiger.


Jedes Kind ist begabt und hat Potenziale. Diese Tatsache geht im schulischen Kontext oftmals unter, gerade weil Schule sich nicht selten zu einseitig auf klassische Inhalte wie Mathematik oder Sachunterricht reduziert. In diesen Fächern haben unsere Kinder laut Übertrittszeugnisse der Grundschule keine besonderen Stärken oder Talente. Der musisch-kreative Bereich ist zu wenig repräsentiert und Sport hat eine geringe Bedeutung für die Schullaufbahn. Von speziellen Begabungen wie Hip-Hop oder Parcours ganz zu schweigen. Und dann wird da noch die fehlende Zeit in der Halbtagsschule ins Feld geführt. Dabei wissen wir um die Bedeutung zum Beispiel des Theaterspielens für die Entwicklung und damit auch indirekt für das Lernen der Kinder. Hinzukommt, dass nicht wenige unserer Schülerinnen und Schüler gerne ein Musikinstrument oder eine zweite Fremdsprache wie Spanisch oder Französisch lernen würden. Entweder sind die Kurse an der Musikschule zu teuer oder das Schulsystem sieht es in der Stundentafel nicht vor.

Wir haben den Anspruch, ein Ort der Potenzialentfaltung zu sein. Zusammen mit der Volkshochschule und anderen Bildungseinrichtungen der Stadt entdecken wir Talente und stärken sie. Wir nennen das den Campus Eichendorffschule. In über 40 Arbeitsgemeinschaften bieten Campuslehrer ein breitgefächertes Angebot an. Es reicht von Französisch über Bodypercussion und geht von KickFair bis zur Imkerei. Immer mehr Schüler besuchen Lernorte in der Stadt, immer mehr Partner bereichern unser Campusleben: das Technikprojekt "Hochspannung" des Instituts für innovative Bildung, "Texte und Theater" des Stadtbibliothek und des Stadttheaters, "Trommelpower" oder Filmprojekte wie "Blue Island". Es ist unser kompensatorischer Beitrag zur kulturellen Bildung unserer Kinder, die trotz einer Vielzahl von Vereinen oder Jugendtreffs zu wenig teilhaben am kulturellen Leben dieser Stadt.


Der mittlere Schulabschluss ist der Regelabschluss in Deutschland und er soll es auch an der Eichendorffschule werden. Der Zugang zu diesem Abschluss ist über Notendurchschnitte und Klassenarten formal geregelt und vorgeschrieben. Dabei wird aus unserer Sicht der Kardinalfehler im großen System an unserer kleinen Schulart wiederholt: ungerechte Selektion und unpädagogische Segregation.

Der Weg zum mittleren Schulabschluss ist an der Eichendorffschule in den im Schuljahr 2019/20 auslaufenden Halbtagsklassen in zwei Phasen gestaltet. In der 7. und 8. Jahrgangsstufe lernten begabte Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Englisch in M-Kursen auf einem erhöhten Anforderungsniveau. In Deutsch wurde differenziertes Lernmaterial angeboten. In der 9. und 10. Jahrgangsstufe kehren wir zum System der Mittlere-Reife-Klassen zurück.

Das Kurssystem ist flexibel und durchlässig und fördert ein integratives Schulklima. Deutlich mehr Schülerinnen und Schüler beschreiten an der Eichendorffschule den Weg zum mittleren Schulabschluss. Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten und Abschlussprüfungen zeigen, dass das System nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern auch erfolgreich ist. In den Sitzungen des Schulforums und des Schulverbundes haben Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Vertreter der Kommune die Vorteile des "Zwei-Phasen-Systems" hervorgehoben.

Mit den Ganztagsklassen können wir seit dem letzten Schuljahr 2017/18 den nächsten Schritt zu mehr Flexibilität und Durchlässigkeit gehen. In der Lernbüroarbeit von der 7. bis zur 10. Jahrgangsstufe sehen wir eine Weiterentwicklung des Systems. Äußere Differenzierungen durch Kurse und Klassen werden durch materialgestützte, integrative Binnendifferenzierung adäquat und im Einklang mit den ministeriellen Vorgaben ersetzt. Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Begabungen und Ambitionen lernen individuell und miteinander.