Unterrichtsqualität

Mit dem Schuljahr 2017/18 startete das neue "Fach" Verantwortung für alle Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe. Verantwortung ist kein Fach der offiziellen Stundentafel einer bayerischen Mittelschule - deshalb die Anführungsstriche. Für uns genießt dieses langfristige und nachhaltige Projekt einen hohen Stellenwert, der sich auch in der halboffiziellen Bezeichnung und der festen Verankerung im Stundenplan ausdrückt. An einem Tag in der Woche übernehmen die Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klassen für ca. 90 Minuten eine selbstgewählte verantwortungsvolle Aufgabe an der Schule oder im Gemeinwesen. Mit dem Schulanfang beginnt die organisatorische und inhaltliche Feinabstimmung des Projekts. Zwischen November und Juni gehen die Heranwachsenden ihrer verantwortungsvollen Aufgabe nach. Nach den Pfingstferien erfolgt die Nachbetrachtung. Im aktuellen Schuljahr 2018/19 absolvieren über 100 Jugendliche dieses neue "Fach".

Vier Jugendliche fühlen sich für den gesunden Pausenverkauf an unserer Schule mitverantwortlich. Sie schmieren und belegen weit vor Unterrichtsbeginn Vollkornbrötchen für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, zuverlässig und pünktlich und verkaufen sie in der ersten Pause. Andere unterstützen Erzieherinnen bei der Arbeit in Kitas oder helfen in einem Erlanger Pflegeheim. Ein Schüler übernimmt den wöchentlichen Einkauf für eine hilfsbedürftige Rentnerin.

Das entscheidende Erleben in diesem neuen "Fach" ist, dass man Verantwortung übernimmt, für andere und für sich. Das Gefühl, gebraucht zu werden, wertvoll zu sein, ist dabei von großer Bedeutung. Zudem werden soziale Kompetenz, Fachkompetenz und Selbstkompetenz handlungsorientiert erlernt. Wir erhoffen uns positive Auswirkungen auf das eigenverantwortliche Lernen in den Lernbüros und das flexible Praktikum als ein wichtiges Element der Lebensorientierung.


Mit dem Schuljahr 2018/19 startet das neue Projekt „Herausforderung“. Unsere erste "Herausforderung" führt 10 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen nach China. In Begleitung einer Lehrkraft besuchen sie die Gofront School in der Millionenstadt Zhuzhou. Sie leben bei Gastfamilien und erleben den Schulalltag. Für viele Jugendliche ist es die erste Reise in ein fremdes Land, mit einer fremden Sprache, einer fremden Schrift, generell einer fremden Kultur. Die wenigsten sind schon geflogen, geschweige denn über 15 Stunden in den Fernen Osten. Die kleinen und großen Herausforderungen dieser Reise werden diese Kinder prägen, in ihren Haltungen und Einstellungen anderen Menschen gegenüber, aber auch in ihrem Selbstbewusstsein und Vertrauen in ihre eigenen Stärken. Wir möchten diesen Kindern eine neue, unbekannte Welt eröffnen und ihnen Lust auf Leben außerhalb ihres kleinen Stadtteils und ihrer begrenzten Weltsicht machen. Nach ihrer Rückkehr werden sie der Schulfamilie in kreativer Form von ihrer Herausforderung berichten und Lust auf das nächste Projekt machen. Die Tintschl&Salleck-Stiftung ist sehr angetan von diesem Projekt und hat eine nachhaltige finanzielle Unterstützung zugesagt. Nur so lässt sich unser Ziel erreichen, dass jede Schülerin und jeder Schüler der Eichendorffschule die Chance haben soll, im Verlauf der 8. bis 10. Jahrgangsstufe eine Herausforderung zu meistern. Durch unsere Kooperationen mit anderen Schulen z.B. in Tirol, unsere Patenschaft für die Ebenezer Hannah Home in Südafrika oder die intensive Zusammenarbeit mit KICKFAIR, einem Verein, der in vielen Ländern die Idee des Straßenfußballs umsetzt, ergeben sich neue realistische Herausforderungen. Wir werden darauf achten, dass dieses Projekt nicht zu einem bloßen Schüleraustausch oder gar Sightseeing-Programm verkommt.

Das Projekt "Herausforderung" ist seit Jahren fester Bestandteil der Lernkultur an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Dort wird es in einer Form umgesetzt, die uns beispielhaft erscheint, aber für uns zu anspruchsvoll ist. Rechtliche Unsicherheiten, organisatorische Hürden und die Besonderheiten unseres Schüler- und Elternklientels verlangen eine Modifizierung des Projekts. Wir müssen unseren eigenen Weg gehen. Allerdings bleibt es ein langfristiges Ziel, dass Jugendliche ihre eigene Herausforderung definieren und meistern.


Um es vorweg zu sagen: Es geht uns um einen Paradigmenwechsel - weg vom Lehren und hin zum Lernen. Aber es geht uns nicht um eine Dogmatisierung. Instruktion und Konstruktion sind keine sich ausschließenden Formen der Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden, nicht einmal im Lernbüro. Der Lehrer mit seiner Persönlichkeit und seinem Wissen bleibt eine prägende und bedeutende Instanz. Es gibt kein Schwarz-Weiß-Denken, sondern nur die gute Balance zwischen beiden Formen und den richtigen methodisch-didaktischen Ort für beides.

Wir wollen dem Einzelnen gerecht werden und denken die Schule konsequent vom Kind und Jugendlichen aus. Zwei Grundüberzeugungen bestimmen unser didaktisch-methodisches Handeln. Schüler wollen ihr Lernen selbst in die Hand nehmen und wir Lehrkräfte müssen sie dabei unterstützen. Und, eine ausgefeilte Binnendifferenzierung ist die Antwort auf die Anforderungen von heterogenen Lerngruppen und nicht die schablonenhafte Verteilung auf vermeintlich homogene Klassen und Gruppen.

Ab der 7. Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler das Wissen in Deutsch, Mathematik und Englisch vornehmlich in Lernbüros, eigenverantwortlich und selbstorganisiert. Lernbüroteams haben den Start für das Schuljahr 2017/18 und die Fortführung im aktuellen Schuljahr 2018/19 vorbereitet und die differenzierten Lernbausteine erarbeitet. Mit Schulen in Berlin, Celle und München, dem Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der FAU sowie der HERMANN GUTMANN STiFTUNG haben wir kompetente Unterstützer bei der Umsetzung und Finanzierung. Im Handbuch Lernbüro sind die Grundsätze der Lernbüroarbeit definiert.

Derzeit arbeiten wir an der Digitalisierung der Lernbüroarbeit. Eine LernApp Englisch ist bereits entwickelt und wird in der 8. Jahrgangsstufe eingesetzt. Als begrenzende Faktoren erweisen sich die Hardwareausstattung durch den Schulaufwandsträger und die digitale Infrastruktur.

Was unsere beiden Grundüberzeugungen anbetrifft, so machen wir gerade die Erfahrung, dass eben nicht jedes Kind eigenverantwortlich lernen will und selbstorganisiert lernen kann. Es sind aber sehr wenige und sie fallen uns auf. Zwei wichtige Voraussetzungen für die pädagogische Weiterarbeit. Dass die Binnendifferenzierung die angemessene und vor allem machbare Antwort auf heterogene Lerngruppen ist, in dieser Überzeugung sind wir bisher bestärkt worden.


 

Im Raum der Mathematik steht das eigenverantwortliche und selbstorganisierte Lernen in der 5. und 6. Jahrgangsstufe im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler werden so optimal auf die ab der 7. Jahrgangsstufe beginnende Arbeit in den Lernbüros vorbereitet.

Die Schülerinnen und Schüler gestalten hier ihr Lernen zunehmend selbst. Nach dem Ritual des gemeinsamen Kopfrechnens und der anschließenden zielgerichteten Besprechung des aktuellen Lerninhaltes entscheiden sie sich aus einem spezifischen Angebot für ein passendes Lernmaterial. Dies ist dem jeweiligen Lerninhalt zugeordnet auf ihrem Navigationsblatt aufgelistet und in unterschiedlichen Niveaustufen vorstrukturiert. Es fördert auch individuelle Herangehensweisen über offene Aufgabenstellungen und Fermi-Aufgaben. Besonders anschauliche und handlungsorientierte Lernhilfen ermöglichen ein selbstständiges Erschließen der Lerninhalte, helfen diese zu verstehen und nachhaltig aufzunehmen. Jeder lernt seinem Können entsprechend im eigenen Lerntempo. Die Schülerinnen und Schüler kontrollieren ihr Arbeiten eigenständig und dokumentieren ihren Lernerfolg.

Die Schülerinnen und Schüler lernen vorwiegend an Gruppentischen miteinander und voneinander. Flexibles Mobiliar erleichtert das rasche Verändern von Lernsituationen und Sozialformen.

Der ansprechende Raum mit neuester Technik und modernen Medien (interaktive Tafel, Laptop, iPads, ...) hat eine besonders positive Wirkung auf die Lernatmosphäre und die Motivation. Alle Lernmaterialien stehen hier in der gut vorbereiteten Lernumgebung den Schülerinnen und Schülern übersichtlich in offenen Regalen zur Verfügung.

Beim Lernen werden die Schüler vom Mathematiklehrer, der Förderlehrerin und einem Pädagogen in der Bildungsarbeit begleitet.

 

 


Projektorientiertes Lernen ist die zweite Säule unserer Unterrichtsentwicklung. Ein Blick auf die Sichtstrukturen zeigt, dass wir die soziokulturellen und naturwissenschaftlichen Fächer zusammenhängend auf einen Tag gelegt haben. Dadurch schaffen wir den notwendigen Zeitrahmen für projektorientiertes Lernen und Lernen an außerschulischen Lernorten. Zwei Lehrkräfte arbeiten im Tandem, um sich bei der Sichtung der Lehrpläne, der Aufbereitung der Lerninhalte, der Vorbereitung und Durchführung der Projekte zu unterstützen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass für die durchgängige und gehaltvolle Umsetzung projektorientierten Lernens in allen Jahrgangsstufen und in allen Klassen einige wichtige Voraussetzungen fehlen. Es gibt noch keine gut ausgestatteten Fachräume, besonders für Experimente und Versuche. Es fehlt an ausgearbeiteten und universell einsetzbaren Unterrichtsmaterialien und nicht alle Lehrkräfte können den methodisch-didaktischen Ansprüchen des projektorientierten Lernens oder gar Lernens im Projekt vollends genügen. Dies zeigt uns ein Blick auf die Tiefenstrukturen des Unterrichts.

Wir haben uns deshalb für ein behutsameres Vorgehen entschieden, auch weil der Aufbau der Lernbüroarbeit enorme Kraft kostet und viele Ressourcen bindet. Ein Tandem arbeitet seit dem Schuljahr 2015/16 in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 idealtypisch zusammen und gibt seine Erfahrungen und Materialien in Form von schulinternen Fortbildungen an die Kolleginnen und Kollegen weiter. Dadurch erwarten wir eine Umsetzung des projektorientierten Lernens in der Fläche, aber sukzessive. Mittelfristig verfolgen wir drei Ziele: Wir wollen erstens die notwendigen Fachräume modernisieren. Dabei sind wir auf den Schulaufwandsträger angewiesen. Wir wollen parallel dazu einen Fundus von universell einsetzbaren und unkompliziert handhabbaren Unterrichtsmaterialien aufbauen ("Lernen aus Kisten"), gerade weil wir kein Fachlehrerprinzip haben. Und in einem weiteren Schritt wollen wir eine Weiterentwicklung des projektorientierten Lernens hin zum Lernen im Projekt erreichen, besonders in den höheren Klassen 9 und 10.